kind trinkt milch aus glas

Schimmelpilzgifte in Pflanzendrinks: Wie sicher sind Hafer-, Mandel- und Sojamilch?

Pflanzendrinks gelten als nachhaltige Alternative zu Kuhmilch und stehen bei vielen Familien regelmäßig auf dem Speiseplan.

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Doch Untersuchungen zeigen: Einige Produkte können Schimmelpilzgifte enthalten. Vor allem für kleine Kinder kann das unter Umständen ein Risiko darstellen.

Hafer-, Mandel- oder Sojadrinks sind längst mehr als nur ein Nischenprodukt. Immer mehr Menschen greifen zu pflanzlichen Alternativen – sei es aus Gründen des Tierschutzes, der Nachhaltigkeit oder wegen einer Laktoseintoleranz. Besonders beliebt sind die Drinks im Kaffee, im Müsli oder als Milchersatz für Kinder.

Doch pflanzliche Getränke sind nicht automatisch frei von unerwünschten Stoffen. Eine aktuelle Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt, dass in vielen dieser Produkte sogenannte Mykotoxine vorkommen können – also Giftstoffe, die von Schimmelpilzen gebildet werden.

Wenn Schimmelpilze Giftstoffe bilden

Mykotoxine entstehen, wenn Schimmelpilze pflanzliche Rohstoffe wie Getreide, Nüsse oder Mandeln befallen. Das kann bereits während des Anbaus, bei der Lagerung oder während der Verarbeitung passieren. Ganz verhindern lässt sich eine solche Belastung kaum. Deshalb können diese Stoffe auch in verarbeiteten Produkten wie Hafer-, Mandel- oder Sojadrinks vorkommen.

Für seine Untersuchung analysierte das BfR insgesamt 162 handelsübliche Pflanzendrinks. Dabei prüften die Fachleute die Produkte gezielt auf verschiedene Schimmelpilzgifte, darunter Aflatoxin B1, Ochratoxin A, Deoxynivalenol sowie T-2- und HT-2-Toxine. Zusätzlich wurden auch einige natürliche Pflanzengifte untersucht.

Besonders im Fokus standen mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren. Denn Kinder nehmen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Nahrung auf als Erwachsene – und damit auch mehr mögliche Schadstoffe.

pflanzendrinks

Mandeldrinks im Fokus

Bei Mandeldrinks fiel die Bewertung des BfR am kritischsten aus. In 31 von 39 untersuchten Produkten fanden die Forschenden das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1. Dieser Stoff gilt als besonders problematisch, weil er das Erbgut schädigen und Krebs auslösen kann. Eine sichere Untergrenze, unterhalb derer der Stoff als unbedenklich gilt, lässt sich nicht festlegen.

Nach Einschätzung des BfR kann der regelmäßige Verzehr entsprechender Mandeldrinks bei kleinen Kindern ein gesundheitliches Risiko darstellen. Die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Beeinträchtigungen stuft die Behörde als „mittel“ ein.

Entwarnung bei anderen Schimmelpilzgiften

Das Gift Ochratoxin A wurde zwar in 33 der 39 Mandeldrinks und in 23 von 29 Sojadrinks nachgewiesen, allerdings nur in sehr geringen Mengen. Der Konsum dieser Produkte gilt daher für Kinder als wenig bedenklich.

Auch bei Haferdrinks sehen die Expertinnen und Experten derzeit kein erhöhtes Risiko. Das Schimmelpilzgift Deoxynivalenol (DON) wurde zwar in 67 von 86 untersuchten Haferdrinks gefunden. Die gemessenen Konzentrationen sind jedoch so niedrig, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen nach Einschätzung des BfR unwahrscheinlich sind.

In allen Haferdrinks fanden sich außerdem T-2- und HT-2-Toxine, die in hohen Mengen die Blutbildung beeinträchtigen können. Auch hier bewertet das Institut die gemessenen Gehalte als wenig problematisch. Allerdings weisen die Forschenden darauf hin, dass die Gesamtaufnahme steigen kann, wenn zusätzlich andere haferhaltige Lebensmittel wie Haferflocken oder Porridge regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Natürliche Pflanzengifte

Neben Schimmelpilzgiften untersuchten die Fachleute auch natürliche Pflanzentoxine. Diese Stoffe bilden Pflanzen häufig als Schutz vor Fressfeinden. In den meisten Fällen konnten die Forschenden hier Entwarnung geben. Nur in einem einzigen Sojadrink-Produkt wurden die Tropanalkaloide Atropin und Scopolamin in Mengen gefunden, bei denen gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich sind. Solche Ausreißer, so heißt es, würden in der Regel jedoch durch Lebensmittelkontrollen erkannt und aus dem Verkehr gezogen.

Abwechslung senkt das Risiko

Das BfR weist außerdem darauf hin, dass Mykotoxine nicht nur in Pflanzendrinks vorkommen. Auch Getreideprodukte, Nüsse, Obst, Kakao oder Gewürze können solche Stoffe enthalten. Der wichtigste Rat der Fachleute lautet daher: abwechslungsreich essen! Denn eine ausgewogene Ernährung hilft, die Aufnahme einzelner unerwünschter Stoffe möglichst gering zu halten.

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